


31.5.2006 / Tag 1
Nach zum Teil langer Anreise aus allen Himmelsrichtungen Deutschlands und einigen Schwierigkeiten mit Avis Autovermietung haben wir uns um 9.00 Uhr am Frankfurter Flughafen getroffen.
Am Tarom-Schalter haben wir dann erstmal den kompletten Verkehr aufgehalten. Wir hatten deutlich Übergepäck, aber nach der Zahlung von 420 Euro war dann alles klar. Der Flug war ganz entspannt, die Landung allerdings abenteuerlich.
In Bukarest am Flughafen wurde Michael dann fast verhaftet, da er für unseren neuen Film mit der Videokamera gedreht hat. Der Sicherheitsbeamte wollte die Kamera konfiszieren. Nach der Vermittlung durch unseren rumänischen Busfahrer und der Sichtung Michaels Aufnahmen wurde er aber wieder freigelassen.
Neben dem Busfahrer kamen noch einige freundliche Helfer auf uns zu, die uns die Gepäckwagen den 50 Meter langen Weg vor den Flughafen geschoben haben. Als wir nach dreißig Sekunden dort ankamen, wollten sie dann Geld von uns. 10 Euro pro Person war ihnen zu wenig und sie versuchten mehr rauszuhandeln...
Leider durfte unser Bus nicht direkt am Ausgang vorfahren. Der Busfahrer musste dann mitten auf einer Kreuzung halten und wir unser ganzes Gepäck, samt Instrumente 200 Meter zum Bus tragen.
Endlich abfahrbereit folgte eine 6stündige Busfahrt durch die Berge nach Sibiu, während der wir es uns gut gehen ließen. Unser Tourbus war ein 20-Sitzer Mercedes Sprinter mit Klima und Dachluke, die auch klasse funktionierte, bis Thorsten sie ausgehebelt hat.
Um 23 Uhr kamen wir am Veranstaltungsort und kurze Zeit später in unserem gemütlichen Hotel in Sibiu an. Ein alter renovierter Bauernhof. Unsere Festivalguides Paula und Radu haben uns und den freundlichen Busfahrer in den verdienten Feierabend entlassen.


1.6.2006 / Tag 2
Nach einem ausgedehnten Frühstück mussten wir erst einmal in das Theater „Radu Stanca“, um unseren Vertrag auszuhandeln. Zudem wurde uns noch mitgeteilt, dass zwei Konzerte in Bukarest ausfallen würden. Nach einem längeren Gespräch mit dem Festivalleiter wurden wir uns dann einig. Als Kompromiss haben wir 3 Konzerte im nächsten Jahr fest ausgehandelt und werden 2007, wenn Sibiu (Hermannstadt) Kulturhauptstadt Europas ist, zu unserer nächsten Rumänien-Tour aufbrechen.
Die nächste CD wird dann exklusiv in Sibiu Premiere feiern... mehr Details dazu folgen auf der website.
Die Stadt Sibiu ist im Moment zwar voller Baustellen, aber büßt nicht ihren Charme ein. Herrliche Architektur und sicher eine Reise wert. Cubamäßige Fassaden, aber auch die deutsche Geschichte hat ihre Spuren hinterlassen.
Abends war unsere erste Show. Der Soundcheck war nachmittags und da wir als letztes spielen sollten, hatten alle anderen Bands ihren Check vor unserem Konzert. Der Sound war daher nicht so der Hammer, aber es lief dann doch ganz gut.
Die Stimmung im leider nicht so zahlreichen Publikum war toll und wir wurden herzlich aufgenommen.
Erschöpft fielen wir (jeder zu seiner Zeit ;-) abends, nachts ... na ja ... morgens ins Bett.
Martin, der einen Tag später geflogen ist, traf um 6.30 morgens auch noch auf ein Empfangskomitee.


2.6.2006 / Tag 3
Der Tag unseres zweiten Gigs. Das Wetter war leider nicht mehr so klasse, aber das hat die Stimmung nur bedingt beeinflusst. Motiviert vom Wetter und dem Konzert am Vorabend haben wir tagsüber viel geprobt, kurzfristig Änderungen an den Songs vorgenommen und unseren Chorgesang verfeinert.
Nach einer weiteren hervorragenden Fleischmahlzeit sind wir dann zum Soundcheck gefahren. Leider lief es an diesem Tag nicht so planmäßig und wir sind im Endeffekt ohne Check auf die Bühne gegangen. Nach einem Linecheck direkt vor dem Konzert haben wir dann mit einer halben Stunde Verspätung angefangen und wider unserer Erwartungen war der Platz diesmal besser gefüllt und die Stimmung beim Konzert um ein Vielfaches besser.
Das Publikum war begeistert und hat nach einer lautstark eingeforderten Zugabe dann auch Alberto für Autogramme umlagert. Die Reaktionen der Veranstalter waren positiv und wir haben dann auf der täglichen Künstlerparty im Backstagebereich des Theaters weitere Fleischberge und das ein oder andere Becks konsumiert. (Sven: „Ich liebe diese Essenskultur ...“ ). Die Innenstadt birgt auch nachts eine ganz besondere Atmosphäre und wir haben einige tolle Bilder geschossen und auch schon Songideen für die nächste Platte konkretisiert.
Heute wurde uns dann auch mitgeteilt, dass wir unser drittes Konzert am Sonntag auch auf dem Piata Mare in Sibiu geben werden. Kontakte zur Crew haben uns für morgen auch noch einen Unplugged-Gig auf einer Geburtstagsparty eines Freundes von Radu eingebracht.


3.6.2006 / Tag 4
Der vierte Tag brachte eine deutliche Wetterbesserung mit sich. Um kurz nach 9 Uhr hat Radu uns zur Pressekonferenz im Thalia-Saal abgeholt. Alberto und Peter waren die Bandrepräsentanten und alle anderen im Publikum. Was dort geschah hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. (Der Videobeweis wird sicher nachgeliefert) Es war unglaublich. Fernsehen, Radio, Zeitungen waren anwesend. Alberto hat sich in die Herzen der Anwesenden gesungen und wir haben weitere Kontakte knüpfen können. Danach ging es zum verspäteten Frühstück ins Hotel. Die Stimmung war gut und nachdem unser Herbergsvater uns einen Fußball besorgen konnte haben wir stundenlang im Hof unseres Hotels gekickt. Alle im Kreis, einer in der Mitte und los !!!
Der Muskelkater wird sicher kommen. Natsuko kann übrigens rechts wie links präzise Pässe bringen! Natsko Ballack !
Nachmittags bis abends haben wir für unsere Unplugged-Performance geprobt und nun den Gesang auf die komplette Band aufgeteilt. Die Proben liefen gut und so gab’s zur Belohnung Schnitzel, Pizza und Bier...
Um 23.00 haben wir dann im Club „Salsa“ zwei Songs unter unplugged gespielt, als Geburstagsüberraschung und um zusätzliches Bildmaterial zu haben.


4.6.2006 /Tag 5
Der offiziell letzte Tag des Festivals. Wir sind aus unserer kleinen Farm ausgecheckt, haben uns von unseren sehr freundlichen Herbergseltern verabschiedet und sind in ein moderneres Hotel gezogen. Wen unsere Unterkunft der ersten Tage interessiert kann ja mal auf www.casa-baciu.com schauen.
Die Fahrt nach Buzau wurde auf den 6.6. vorverlegt, so dass wir insgesamt zwei days off hatten. Heute waren nun Probe-, Kompositionsarbeit und Filmaufnahmen angesagt.
Für letzteres hatten wir einen Lokaltermin in einer „Wohngemeinschaft“ in den Gemäuern eines alten Klosters. Die Architektur und das allgemeine Ambiente waren der Hammer. Die Fotos und Filme, die Dominik geschossen hat, sind erstklassig geworden.
Wir haben mehrere Takes von „Revolucion“ unverstärkt gespielt. Die Wohnungsbesitzerin, eine sehr nette alte Dame hat uns unter Tränen empfangen, sie war von der Musik und von Albertos Charme sehr angetan. Wir haben uns mit Blumen und Fotos bei Ihr bedankt und waren noch stundenlang begeistert von dem Zauber der Location und der Herzlichkeit, mit der wir empfangen wurden.
Danach gab es die Spezialität des Restaurants Iliana: „Nicht genug kalter Sauerbraten mit kalten Kartoffeln und Weissbrot in Plastikpackungen“ ... (zur Erinnerung: Sven: Ich liebe diese Essenskultur!).
Abends hatten wir dann unseren letzten Gig in Sibiu, diesmal als Vorband der in Rumänien sehr bekannten Band „Sistem“. Die Zuschauerzahl war diesmal deutlich höher als an den Abenden zuvor und nachdem wir diesmal auch einen vernünftigen Soundcheck hatten, waren Stimmung und Konzert entsprechend besser.
Danach trennten sich dann unsere Wege, einige zog es zur Abschlussfeier des Festivals, andere haben gearbeitet und Heiko und Stephan haben sich ein Billardduell geliefert...



5.6.2006 / Tag 6
Heute ist viel passiert. Wir hatten eine Stadtführung mit Paula und Radu, unseren Festivalguides. Es war sehr interessant. Die Stadt wird von Ihren Einwohnern auch vorwiegend Hermannstadt genannt. Der Name Sibiu ist abgeleitet vom römischen Namen des angrenzenden Flusses „Sibinum“
Peter, Michael und Martin haben Kontakt zum deutschen Lyzeum „Brukenthal“ in Hermannstadt aufgenommen.
Alberto war den ganzen Tag ausgeschaltet, hat sich mit japanischer Heilkunst der Gesundheit gewidmet und den verdienten Schlaf nachgeholt.
Heiko, Stephan und Natsko haben den von in ihr komponierten Song weiter arrangiert, Peter und Michael haben schon 8 neue Songs in petto.
Abends war dann die ganze Band von einem deutschen Industriellen aus Sibiu zum Essen eingeladen. Es war das mit Abstand beste Essen seit langem und wir haben dankbar auch den letzten Pfannkuchen mit Schokolade genossen...
Dass sich danach überhaupt noch etwas anstellen lies, ist ein Wunder, aber der rumänische Schnaps wirkt manchmal Wunder :-)
Peter, Michael, Martin und Dominik waren zu einem weiteren inspirativen Videoshooting aufgebrochen. Natsuko, Sven, Heiko und Stephan haben sich mit lokalen Musikern aus Sibiu getroffen und im hiesigen Jazzclub „Imperium“ gejammt. Ein wunderbarer Abend. Natsuko hat alles gegeben und fantastisch gespielt.
Ein langer Tag ging mit einem verdienten Becks zu Ende...



6.6.06 / Tag 7
Heute war der letzte Tag in Sibiu. Den Vormittag unseres ersten echten Off-Days nutzten einige zum Arbeiten, andere zum shoppen, relaxen, Billard spielen oder ausschlafen.
Mittags wurden dann ein Volleyball und ein Fußball besorgt.
Radu und Paula haben uns zum zweiten Teil der Stadtführung in ein Freilichtmuseum eingeladen. In diesem begeht man einen Reiseweg durch die verschiedenen Epochen und Kulturen Rumäniens. Hier sind Höfe, Wohnhäuser, Mühlen 1:1 nachgebaut, eingebettet in einen schönen Park. Nach so viel Kultur hat sich dann der Sportdrang durchgesetzt und es wurde im Park gegenüber unserem Hotel gekickt.
Ein Termin am Nachmittag mit dem Chef des Theaters in Sibiu hat leider zum Wiederholten Mal nicht geklappt.
Abends haben wir ein gemeinsames Abschiedsessen mit unseren Guides vereinbart. Wir trafen uns um Acht in einem Restaurant. Das Essen war phantastisch, die Preise sind es ohnehin. Radu und Paula, die sich für diesen Abend extra in Schale geworfen hatten, haben uns ein Geschenk überreicht, wir haben uns mit T-Shirts und Cds bei Ihnen erkenntlich gezeigt. Es war ein sehr netter Abend und wir haben uns schweren Herzens von ihnen verabschiedet in der Hoffnung in Buzau ebenso nette Menschen zu treffen.



7.6.06 / Tag 8
Abfahrt um 10... von wegen. Um 6 Uhr stand der Bus vor Tür und unser Tourmanager war so nett, jeden persönlich darüber zu informieren, dass die Abfahrt nun auf 8 Uhr vorverlegt war, wir also noch zwei Stunden schlafen könnten... äh... genau!
Die Fahrt war extrem ... also extrem in allen Belangen. Sie dauerte ca. 7 Stunden bei ungefähr 300 km Fahrtstrecke. In den Schlaglöchern der ersten Kilometer sind wahrscheinlich schon komplette Reisegruppen verschwunden, aber eigentlich beunruhigend war die Tatsache, dass es heftig zu regnen begann, während wir auf den ungeteerten Bergstrassen unterwegs waren und alle Scheiben im Bus komplett beschlagen waren.
Dass der Busfahrer diese Strecke direkt vor seiner Ankunft in Sibiu schon einmal ohne Ruhepause zurückgelegt hatte sei nur nebenbei erwähnt. Aber mutig wie wir sind, hat uns das nicht erschüttert. Nein im Ernst. Die Fahrer sind top und fahren dem rumänischen Verkehr angepasst sicher und waren immer pünktlich!
Als wir dann in Buzau ankamen rechneten wir mit ähnlichem Organistationschaos wie in Sibiu, doch was an diesem Tag auf uns zu kam, hatten wir nicht erwartet!
Der Rest des Tages verlief PERFEKT. Wir wurden am Theater in Buzau erwartet, bekamen unsere Festivalpässe und uns wurden unsere Local Guides Loredana & Silviu vorgestellt.
Diese würden uns am Abend am Auftrittsort erwarten und wir wurden vom Bus zum 20km entfernten Hotel gebracht. Die Fahrt bzw. die Strassen waren zwar wieder abenteuerlich, aber ein direkt serviertes Essen von allerfeinster Qualität hat zu sofortiger Entspannung beigetragen. Auch bekam jeder unaufgefordert ein leckeres Ursus.
Nachdem wir uns zu einem Mittagsschläfchen auf die Zimmer in unserer fantastischen Unterkunft zurückgezogen hatten, fuhren wir abends zu einem perfekt organisierten Soundcheck und Konzert. Der Gig lief sehr gut und direkt im Anschluss kam der Fußballclub „Steaua Bukarest“ auf die Bühne, um vor den Anwesenden Zuschauern Ihre gerade gewonnene Meisterschaft und somit die Teilnahme an der Champions League zu feiern.
Spät abends im Hotel angekommen haben Sven, Natsuko, Heiko, Martin und Stephan zwei neue Songs recorded. Wie gesagt perfekt ;-)


8.6.06 / Tag 6
Der Tag begann mit traumhaftem Wetter und wir genossen unser Frühstück auf der Terrasse unseres mediterranen Schwarzwaldklinik-Sierra-Maestra-Style-Hotels. Heute haben wir die neue CD weiter vorangebracht und Pläne geschmiedet. Natürlich wurde auch wieder Fußball gespielt, denn auch bei uns hinterlässt das WM-Fieber seine Spuren.
Unsere Guides erwarteten uns dann nachmittags um uns die Stadt zu zeigen. Silvius Vater ist der Masseur des lokalen Fußballteams und wir haben das Stadion von Gloria Buzau besichtigen können. Fantastische Kulisse. Auch der angrenzende Park mit Denkmälern aus dem Kommunismus war interessant.
Das Booklet zur nächsten CD wird sicher 100 Seiten haben, bei der Menge an Bildmaterial.
Silviu hat uns einiges über die derzeitige politische Situation in Rumänien erläutert, positives wie negatives.
Aber eins ist klar, die Menschen hier sind sehr gastfreundlich und es scheint wie in vielen anderen Ländern dieser Welt auch, sei es Albanien, Ägypten, Israel, Deutschland, USA usw.
Einige Dumme ruinieren den Ruf einer ganzen Nation, leider oft sehr einflussreiche Menschen. Denn wie oft haben wir den Satz gehört „Waaas? Rumänien? Oh Gott!“ ... Wir können nur sagen, es war ein Traum!
Nach dem Abendessen ging es weiter zum nächsten und leider letzten Gig der Tour... haha...leider doch nicht.
Um 19 Uhr war Abfahrt, der Bus dann auch um 20.10 da. Bei der Ankunft war das Dach der Bühne dann immer noch heruntergefahren, denn wir hatten zu starken Wind.
Es stand auf der Kippe, ob dieser Gig nun stattfinden würde oder nicht. Nach mehr als einer Stunde Wartezeit und 45 min nach offiziellem Beginn des Konzerts ging es dann doch los.
Und es war eine gute Entscheidung, denn die Publikumsresonanz war die mit Abstand beste der ganzen Tour. Mit einem „We love you, Buzau!“ verließen wir die Bühne. Alberto wurde sofort von Autogrammjäger/- innen umlagert. Er bekam eigens für sich abgestellte Securitybeamte, die die Menge von ihm ferngehalten hat. Unglaubliche Szenen und ein toller Abschluss einiger ereignisreicher Tage.
Heute Nacht um 2 Uhr ist Abfahrt. Schade auf der einen Seite, aber nach Hause zu kommen ist auch immer wieder schön! Na denn, bis zur nächsten Tour...


© CUBA LIBRE 2006